5. Deutscher Social TV Summit: „Facebook out“, Snapchat lebt, Video geht ab

5. Deutscher Social TV Summit

Der Kampf um den Nutzer im Social Web ist in vollem Gange. Heute müssen Medienhäuser genau überlegen, welche Plattformen sie mit welchen – vor allem auch eigenproduzierten – Inhalten für welche Zielgruppen bespielen. Das war ein Fazit des 5. Deutschen Social TV Summit, zu dem die Bayerische Landeszentrale für neue Medien und die Medientage München ins Münchner Literaturhaus eingeladen hatten.

Das Motto: „Sichtbar, präsent, unabhängig? Der Kampf um den Nutzer ins Social Web“. Diesen Kampf im „Fair Play“-Modus und vor allem mit viel Kreativität zu führen, dazu hatte zum Auftakt BLM-Präsident Siegfried Schneider aufgefordert.

Die rund 200 Besucher hatten während des Tages einige der von Keynote-Speaker Claus Strunz beschworenen „Magic Moments“. Ein persönlicher magischer Moment des Geschäftsführers TV- und Video­produktionen bei Axel Springer in Sachen Social TV: als die Reichweite eines Kommentars in den Social Media-Kanälen die TV-Reichweite übertraf. Seine Tipps, um Social TV erfolgreich als Marketingtool und „Schmiede für neue Formate“ zu nutzen: topaktuelle Themen subjektiv und plattformgerecht erzählen, eine streitbare Haltung einnehmen und unbedingt den Dialog mit den Zuschauern aufnehmen. So ließe sich auch Geld damit verdienen, denn: „Die Menschen folgen den Inhalten und das Geld folgt den Menschen.“

Auf welchen Plattformen diese Nutzer und Zuschauer allerdings zu finden sind, ist längst nicht mehr so klar. Auch wenn allen voran Twitter als TVs Liebling, Facebook und You Tube noch immer die gängigsten Plattformen seien, finde derzeit eine Reichweitenverschiebung statt, so Branchenkenner Bertram Gugel in seinem Marktüberblick. Die Nutzer wanderten in Messenger wie Snapchat ab. „Video geht durch die Decke“, Live sei – nicht immer berechtigterweise – das neue Mantra, lautete seine Statusanalyse. Künftig müssten wir aber unsere Hausaufgaben vor allem in Sachen Inhalten machen. Nicht allein der Algorhythmus, sondern die Kuration der Inhalte und die direkte Ansprache der Nutzer werden über den Erfolg im Social Web entscheiden.

Die Homepage hat bald ausgedient, „all social“ heißt laut Martin Wittmacher von Zoomin.TV Deutschland die Devise. Und für Videoabrufe ist Snapchat die wichtigste Social Media Plattform. Nur wie müssen die Inhalte, gleich ob gekauft oder eigenproduziert, gestaltet sein? So haben Nachrichten auf YouTube keinen leichten Stand, da reine Informationen wegen ihrer Ubiquität an Wert verloren haben. Darüber waren sich Dr. Clas Dammann von heute+, Lisa Ludwig aus der Vice Media GmbH und die YouTuberin Lisa Sophie in der Diskussion einig. Die Kunst sei es, Inhalte zuzuspitzen. Für die Generation Snapchat ist Facebook längst out und wird nur noch als „erweitertes E-Mail-Programm“ genutzt, bekannte die 21-Jährige Lisa Sophie, die auch für das WDR-Format #3sechzich moderiert.

Doch bedeutet das für TV-Sender und Unternehmen auch, immer „den nächsten heißen Scheiß“ mitmachen zu müssen? Zwei Snapchat-Cases von ProSiebenSat.1 (Carsta Maria Müller) und dem FC Bayern (Felix Loesner) zeigten, dass krampfhafte Verjüngung nicht sein muss, sondern es immer darauf ankommt, die neuen Plattformen strategisch einzusetzen. Diese Maxime gilt auch für die Verwendung von Livestreams zur Nutzerbindung. Die Zielgruppe z.B. auf Facebook live zielgenau zu beliefern, sei wichtiger als Fernsehqualität, betonte Martin Heller von WeltN24. Doch wenn jetzt jeder live senden könnte, wäre das Verantwortungsbewusstsein gefragt, ergänzten Christian Grospitz von BUNTEnow und Fernsehmoderator Thore Schölermann. Denn, so Thore: „Eigentlich brauchst du nur noch das Gerät.“

TV-Sender können, was Bewegtbild betrifft, aus dem Vollen schöpfen. Aber neue Zielgruppen lassen sich dank Social Web nur mit einem entsprechenden passgenau zugeschnittenen Social TV-Konzept erschließen. „Wir leben die Vernetzung“, ist das Motto des #nextgenerationtv RTL II YOU, das Christian Nienaber präsentierte. Das junge Angebot von RTL II ist vor drei Wochen gestartet: Die Abrufzahlen verriet Nienaber nicht, aber die Zahl der App-Downloads: Es sind 125.000. Nicht gleich ein eigenes Angebot, aber witzige Miniserien wie die „Superheroes“ als Werbetrailer für eigene Kanäle hat Sky Deutschland kreiert. Damit schaffen sie sehr kostengünstig Social Buzz für neue Pay-Sender, erklärte Bill Browning von Sky Creative Services.

Das Sky-Rezept: „Thinking big, thinking crazy, thinking jokes“ machen sich mittlerweile auch viele Unternehmen im Rahmen des Content-Marketing zu eigen, wie Viviane Wilde von Convidera zeigte. Mit den “Gadget Inspectors” hat Convidera ein Format mit Eigenleben entwickelt, in dem Auftraggeber Vodafone nur zweimal genannt wird. Brilliante Kreativität als Voraussetzung für viralen Erfolg können eben nicht nur Fernsehsender leisten. Doch lachen am Ende die Sender, die insbesondere auf YouTube stark vertreten sind, weil sie viel Kompetenz in Sachen Bewegtbild haben? Sich nur auf eine Plattform zu fokussieren, bringe heute gar nichts mehr, sagte Tobias Schiwek vom UFA LAB. Diese Erfahrung bestätigte auch Matthias Mehner von der ProSiebenSat1.AG, für den es darum geht, die User zu erreichen, auf die eigenen Plattformen zu ziehen und dort zu unterhalten. Natürlich hätten derzeit die TV-Sender immer noch das Lachen, „weil wir mit Fernsehen viel Geld verdienen“, betonte Mehner. Ein Fernsehkonzern habe auf dieser Basis die Möglichkeit, eigene Multichannel-Networks zu gründen. Gute Aussichten haben vor allem aber auch die digitalen Studios, die sich auskennen. Für diese prognostizierte Tobias Schiwek die nächste Übernahmewelle.

Da heute jeder selbst „Fernsehen“ auf Social Media machen kann, finden auch YouTube-Kanäle wie der „Slingshotchannel“ von Jörg Sprave als Oneman-Show ihre Nische. Sein Erfolgsrezept: „Bringe. Geile. Inhalte“ klingt einfach. Die Begriffe krass, personalisiert und zielgruppenspezifisch fielen während des gesamten Social TV Summit aber immer wieder. Das wichtigste Learning aus dem Tag: Mit Disziplin dranbleiben, nicht am Scheitern verzweifeln und das „Trial and Error“-Prinzip beherzigen.

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