Vom Zuschauer zum Fan: „Social TV wird erwachsen“

Vom Zuschauer zum Fan: „Social TV wird erwachsenSocial TV wird das klassische lineare Fernsehen nicht ablösen, sondern verändern. Dabei schreitet die Verschmelzung von Social Media und Fernsehen voran. Das ist das Fazit des ausgebuchten 3. Social TV Summit der BLM.

Gerade an Ereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft werde das sich ändernde Nutzungsverhalten der Zuschauer deutlich, so BLM-Präsident Siegfried Schneider in seinem Grußwort: „Für die Fernsehmacher ergeben sich durch Social TV enorme Potenziale, um das Publikum besser kennenzulernen, auf sich aufmerksam zu machen oder an sich zu binden. Die Folgen: neue Einschaltimpulse, größere Reichweiten, ein vertieftes TV-Erlebnis und im Idealfall ein Austausch zwischen Sender und Zuschauer auf Augenhöhe.“

Denn immer mehr Menschen haben ein Zweitgerät wie Smartphone oder Tablet, mit dem sie sich vor, während oder nach dem Fernsehkonsum austauschen. 2014 sei das „Jahr des Smartphones“, in dem es auf der Welt erstmals mehr Smartphones als TV-Geräte gebe, sagte Keynote-Speaker Josh Partridge, Director von Shazam, einem Dienst zur Identifizierung von Musik und TV via Smartphone. Die Zuschauer seien die Gewinner dieser Entwicklung, da „der Second Screen dem Inhalt neue Energie“ gebe.

Neue Energie durch Interaktion, sozialen Kontext, Personalisierung und Bindung – wie Bertram Gugel von gugelproductions zusammenfasste. In seinen Augen nähern sich die Funktionalitäten von TV und Social Media immer mehr aneinander an. Bald werde es selbstverständlich sein, von „Fernsehen“ zu sprechen und „Social TV“ zu meinen, da der Second Screen längst Mainstream sei. „Social Media wird fundamentaler Bestandteil von Fernsehen“, resümierte Gugel die Entwicklung: „Wir müssen die Nutzer zu Fans machen, sie nicht mehr nur als Publikum sehen.“

Schon in ihrer Begrüßung hatten die Moderatoren der Veranstaltung, Michael Praetorius von Noeo und Geraldine de Bastion, festgestellt: „Social TV wird erwachsen.“ Eine Entwicklung, deren Konsequenz ein Umdenken in den klassischen TV-Sendern zur Folge haben müsse. Der freie Berater Felix Segebrecht forderte in diesem Zusammenhang: „Wir sollten die sozialen Kanäle als weiteren Kanal verstehen. Füllt ihn, anstatt zu versuchen, die Nutzer zurückzuholen.“ Wie im Fiction und Non-Fiction-Bereich dank Social TV ganze Story-Welten aufgebaut werden können, wurde anhand mehrerer Praxisbeispiele – etwa zur Arte-Serie „About:Kate“ oder zum Projekt „Netwars“ – illustriert.

Für Christoph Krachten, Mitbegründer der Online-TV-Plattform Mediakraft entscheidet das Publikum über erfolgreiche Inhalte, „nicht Redakteure.“ Dabei dürfe der Content aber nicht vergessen werden, warnte Thomas Elstner von der Bewegtbildplattform Zuio.tv. Seine Beobachtung: „Die Kreativität für Bewegtbild liegt für mich vor allem im Netz.“ Dr. Sebastian Weil, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 Digital GmbH, sieht die Online-Aktivitäten seiner Sender als Scouting-Plattform: „Aufgabe von Social Networks ist es, Talente zu finden, zu fördern und sie bekannt zu machen.“ Das bestätigten grundsätzlich auch Jan Paetzold von Sky Deutschland und Martin Fisch von ZDF Neo. Fisch schränkte allerdings ein: „Bei uns hat es bisher noch nicht so gut funktioniert, wenn You Tube-Stars Sendungen bekommen haben.“ Dennoch finde eine Annäherung zwischen zuschauergeneriertem Content und produziertem Content statt.

Was der Second Screen für Werbetreibende bedeutet, erläuterte Dr. Andreas Schroeter, Gründer des Startups wywy. Die Möglichkeit synchronisierter Werbung, die zeitgleich auf dem TV-Screen und Second Screens ausgespielt wird, erhöht die Werbewirkung der Marke. Die Problematik sei hier die geteilte Aufmerksamkeit der Nutzer: „Man kann sich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren.“

Emotionen seien ausschlaggebend, um die Zuschauer an den Sender zu binden und sie dazu zu bringen, über die TV-Inhalte zu kommunizieren, betonte Martin Dräger von Unruly, einem Unternehmen für Videotechnologie. Dabei sei nicht die Summe der Views die Referenz dafür, wie gut virale Inhalte funktionieren, sondern die Summe der Shares. Er forderte mehr Mut, Gefühle, zu spiegeln: „Bisher hat kein Shitstorm ein Unternehmen in den Ruin getrieben, sondern es nur schlauer gemacht.“ Wie Zuschauerbindung durch Casual Games funktionieren kann, berichtete Katharina Behrends von Universal Networks International Germany. Sie betonte: „Mit den Begriffen First Screen und Second Screen kann ich schon heute nichts mehr anfangen.“

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