Mediengipfel 2011: Thema: "Mobile - Local - Social"

Datum: 19.10.2011

Der hochkarätig besetzte Mediengipfel als traditionelle Auftaktveranstaltung der Medientage München widmete sich in diesem Jahr dem Thema "Mobile - Local - Social: Dreiklang der vernetzten Gesellschaft". Siegfried Schneider, seit 1. Oktober Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München, betonte, die mobile Internetnutzung inklusive einer genauen Lokalisierung von Nutzerstandorten bedeute außer neuen Geschäftsmodellen auch Risiken. So gelte es, die Daten und Persönlichkeitsrechte der Verbraucher zu schützen. Außerdem forderte Schneider, die Medienkompetenz der Nutzer so zu stärken, dass diese ihre Chancen und Rechte in der Online-Welt optimal wahrnehmen können. Wie gravierend die aktuellen Veränderungen in der Medien-Branche sind, machte Florian Haller, Hauptgeschäftsführer der Agenturgruppe Serviceplan, in einer Keynote deutlich. Dabei sprach er von vier „Megatrends“. Dazu zähle das neue Zielgruppenverständnis, das nicht mehr von Altersklassen, sondern von Nutzerprofilen ausgehe (Targeting), ebenso wie der Bedeutungszuwachs von Bewegtbildern im Internet. Als weiteren Trend führte Haller die mögliche Lokalisierung von Werbekampagnen und Online-Angeboten dank Geocodierung an. Entscheidend sei viertens, dass Inhalte so attraktiv sein müssen, dass Nutzer sie gezielt auswählen. Aktive Rezipienten erforderten eine Umstellung von der Push- zur Pull-Strategie. In der anschließenden Panel-Diskussion, die beim Mediengipfel erstmals von Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy moderiert wurde, stand die „ungleichmäßige“ Regulierung im Mittelpunkt. Dr. Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender von Hubert Burda Media, forderte, entweder müssten für internationale Medienkonzerne in Deutschland dieselben Bestimmungen gelten wie für nationale Akteure oder aber es müsse dereguliert werden. Als Beispiele für eine ungleichmäßige Regulierung nannte Kallen die Tatsache, dass für US-Internetkonzerne weniger strenge Datenschutzrichtlinien herrschen als für deutsche Medienunternehmen. Ähnliches gelte für den Urheberrecht- und Leistungsschutz von Anbietern, die ihre Server im Ausland platzieren. Angesichts solcher Ungleichgewichte seien auch die strengen kartellrechtlichen Bestimmungen für Verlage nicht nachzuvollziehen. Andreas Bartl, der den Bereich Fernsehen im Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG verantwortet, berichtete, deutsche Medienunternehmen gerieten durch die strengen Grenzen von Wettbewerbsrecht oder anderen Gesetzen zunehmend unter Druck, während die Global Player keiner Regulierung unterliegen würden. „Wir brauchen einheitliche Spielregeln“, forderte Bartl. Dafür setzte sich auch Jürgen Doetz ein. Der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) warnte, die Politik müsse endlich konkrete Maßnahmen ergreifen: „Bitte schön, wachen sie mal auf“, wandte er sich an die Medienpolitik. In diesem Zusammenhang äußerte Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland, ihre „Angst, dass das Problembewusstsein bei der Politik noch gar nicht richtig da ist“. Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, bezeichnete die gleichzeitige Anwendung von äußerst unterschiedlichen nationalen und internationalen ordnungspolitischen Regeln als „eklatante Wertungswidersprüche“. ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter nannte die Probleme Urheberrecht, Netzneutralität und den diskriminierungsfreien Zugang zu Online-Plattformen als weitere offene Felder der Medienregulierung. Beim Thema Hybrid-TV stelle sich die Frage, warum auf den neuen internetfähigen Flachbildschirmen für klassische TV-Programme die Rundfunkregulierung gelte, während auf dem selben Monitor auch Online-Videos gezeigt werden könnten, für die keinerlei Regeln gelten. In Bezug auf Werberichtlinien oder den Jugendschutz für das Hybrid-TV sagte BLM-Präsident Schneider, er gehe von einer Liberalisierung dieser Bereiche aus.

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