Diskussion: Digital Publishing - Erfolg u. Ernüchterung im Jahr 2 nach iPad

Datum: 19.10.2011

Die Fakten sind bekannt: Das iPad von Apple ist ein Erfolgsschlager der jüngeren Wirtschaftsgeschichte und hat die Medienlandschaft revolutioniert. Im Jahr 2014, also in knapp drei Jahren, wird in dreißig Prozent aller Haushalte in Deutschland ein Tablet-Computer stehen, sagt die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman voraus. „Damit ist auch für kleinere Verlage und Titel die kritische Masse erreicht, um mit entsprechenden Digital-Publishing-Angeboten profitabel werden zu können", erläuterte Denis Burger, Partner bei Oliver Wyman. Doch wie können Medienhäuser am Erfolg der Tablets teilhaben? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Panels zum Thema Digital Publishing der MEDIENTAGE MÜNCHEN. „Wir sind weder ernüchtert, noch sind wir im Zustand der endgültigen Zufriedenheit angelangt", lautet das Fazit von Georg Konjovic zum aktuellen Stand beim Digital Publishing. Als besonders positiv betrachtete der Director Premium Content bei der Axel Springer AG die steigende Zahlungsbereitschaft der Nutzer für journalistische Inhalte auf digitalen Endgeräten. „Die 135.000 Kunden, die täglich digitalen Content von uns kaufen, bestätigen uns in unserem Weg", sagte Konjovic. Enttäuscht zeigte sich der Manager dagegen von Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android. Von dem Apple-Wettbewerber hätte er eine schnellere Marktdurchdringung erwartet. Ähnlich äußerte sich Thomas Henkel, Executive Vice President und Leiter Unternehmensentwicklung, Strategie und Diversifikation bei Gruner + Jahr: „Wir glauben an den Markt und investieren weiter." Die große Herausforderung liegt für ihn in der „medienneutralen, also endgeräteunabhängigen Produktion der Inhalte." Dieser Prozess, der eine komplette Umstellung der Strukturen in den Verlagshäusern erfordere, wird seiner Meinung nach noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Die nächste Zeit sollten die Verlage nach Ansicht von Wolfgang Bauriedel, Partner bei Oliver Wyman in Boston, unbedingt nutzen, um Erfahrungen zu sammeln. „Die Verlage, die am frühesten mit iPad, Apps & Co. begonnen haben zu experimentieren, sind nun am weitesten, am effizientesten und am profitabelsten", formulierte er seine Beobachtung im amerikanischen Markt, der dem deutschen ein bis zwei Jahre voraus sei. Mehr noch: Viele US-Verlage nutzten die Tablet-PCs bereits, um in „offenen Feldversuchen" neue Titel zu testen. Als ein Beispiel für diese „Online-First-Strategie" nannte Bauriedel die „Cosmopolitan for Men". Und auch das Modell „Online Only" funktioniert mit Tablets, wie Jon Housman, Präsident der Digital Journalism Initiatives der New Yorker News Corporation, berichtete. Vor einem halben Jahr hat das Murdoch-Unternehmen die erste Zeitung für das iPad „The Daily" kostenpflichtig aufs Tablet gebracht und verzeichnet inzwischen 120.000 Leser pro Woche. „Ein gutes Start", resümierte Housman. Einig war sich die Experten-Runde darin, dass sich die Zusammenarbeit mit Apple in den letzten Monaten verbessert habe und dass die Monopolstellung des Konzerns nicht ewig dauern werde. Bauriedel sagte voraus: „Der Wettbewerb wird sich verstärken: Zum einen ist Amazons Kindle in den USA sehr gut gestartet, und zum andern wird Android das dritte Ökosystem stellen -- trotz der aktuellen Schwächen." Die Zukunft für die Verlage scheint, geht es nach den Teilnehmern der Diskussion, wieder positiv: „In zehn Jahren werden die Inhalte gedruckt und digital verbreitet werden. Wir werden viele neue Kundengruppen ansprechen können, und den Verlagen wird es mindestens genauso gut gehen wie heute", zeigte sich G+J-Manager Henkel optimistisch.

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