Diskussion: TV der Zukunft - Hybrid, Interaktiv, Sozial - Zwischenbilanz

Datum: 19.10.2011

Der „Couchfaktor", also Bequemlichkeit und Nutzerfreundlichkeit, wird über den Erfolg von Fernsehangeboten entscheiden. Darin war sich die Expertenrunde eines Panels einig, das bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN in Kooperation mit Booz & Company angeboten wurde. Auch wenn nichtlineare Fernsehangebote überproportional zunehmen werden, werden sie in den nächsten zehn Jahren lineare, eher passive Fernsehnutzung nicht ersetzen, lautete das Expertenurteil. Sebastian Blum, Mitglied der Geschäftsleitung der Beraterfirma Booz & Company, schätzt, dass letztlich nur noch drei bis fünf große Anbieter etwa neunzig Prozent der Fernsehhaushalte mit 360°-Angeboten versorgen werden. Daneben werde eine Vielzahl kleiner Anbieter als „Long Tail" um knappe Zeitbudgets der Nutzer kämpfen. „Das Rennen entscheidet sich in drei bis vier Jahren", sagte Blum voraus. Allerdings müssten mindestens sechzig Prozent der Haushalte mit Breitbandanschlüssen und interaktiven Endgeräten ausgestattet werden. 2015 werde dies schon bei circa 56 Prozent der Haushalte der Fall sein. Professor Dr. Helmut Thoma glaubt an die Beständigkeit menschlichen Verhaltens: Seit den alten Griechen interessierten sich die Menschen für Komödien, Dramen und aktuelle Informationen. Der Medienberater und einstige RTL-Chef kritisierte, dass die öffentlich-rechtlichen („gesamtgeriatrische Programmveranstaltung") wie auch privaten Sender in Deutschland kaum noch in neue Programmideen investierten: „Die wollen nur noch Geld verdienen." Mit „Volks-TV", einem nationalen Mantelprogramm mit interaktiven Elementen, will Thoma regionales Fernsehen in einer festgefahrenen Programmlandschaft vorantreiben und junge Zielgruppen ansprechen. Die strikte Orientierung am Nutzer und den Dialog mit dem Konsumenten nannte auch Gary Davey, Executive Vice President Programming von Sky, als zentrale Aufgaben. Die Chancen für Pay TV in Deutschland schätzt Davey im Gegensatz zu Helmut Thoma gut ein. Denn: „Am Ende entscheidet die Qualität der Programme über den Erfolg - wie auch bisher schon." Johannes Larcher, Senior Vice President der Online-Plattform Hulu, setzt klar auf junge Zielgruppen als treibende Kraft für Programminnovationen und technischen Fortschritt. Sie wollten nicht an ein Programmschema gebunden sein und suchten interaktive, auf ihre Interessen zugeschnittene Programme, über die sie sich parallel mit ihren Freunden austauschen könnten. „Wir möchten jedes Geschäftsmodell ermöglichen." Wolfgang Elsässer, Geschäftsführer von ASTRA in Deutschland möchte vielfältige, für den Zuschauer sinnvolle Programme über seine Plattformen verbreiten. HD+ erweise sich als erfolgreiches Modell, auch aufgrund attraktiver Partner wie Sky oder das digitale Entertain-Paket der Deutschen Telekom über Satellit.

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