Online-Gipfel 2011: Das Internet - Ein rechtsfreier Raum?

Datum: 20.10.2011

Drei Klicks nur - und die Nutzer können sich heute über sogenannte Sharehoster die neuesten Kinofilme ansehen. Frederick Huntsberry, operativer Geschäftsführer von Paramount Pictures in den USA, demonstrierte beim Online-Gipfel während der MEDIENTAGE MÜNCHEN, wie stark Online-Piraterie Medienunternehmen schädige. Die ersten 72 Minuten des Films seien beispielsweise kostenlos, danach könnten Abonnements abgeschlossen werden, um auch den Rest des Films zu sehen - ein Millionengeschäft für die illegalen Anbieter, deren Websites sich häufig nicht von legalen Seiten unterscheiden lassen. „Tauschbörsen sind nur die Spitze des Eisbergs", betonte Huntsberry, der dazu aufrief, endlich „faire Spielregeln für alle" zu schaffen, um sowohl Inhalte wie auch Nutzer zu schützen. Über Sharehoster, kriminelle Internet-Shops und illegale Apps entsteht nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden - in den großen Studios sind es laut Huntsberry etwa eine Milliarde Dollar Umsatzverlust pro Jahr -, die Nutzer können sich auf diese Weise auch Viren und Trojaner einhandeln. Um in eine erfolgreiche digitale Zukunft starten zu können, müssten die illegalen Angebote krimineller Provider deshalb eingedämmt werden, zum Beispiel über Warnhinweise (bei Tauschbörsen), Beschlagnahmung oder auch durch das Unterbinden von Geschäften via Kreditkarte. In den USA gibt es mittlerweile einen Gesetzesentwurf, der illegal vertriebene Kopien stoppen soll. In Deutschland sei die Politik beim Thema Piraterie dagegen noch nicht so weit, bedauerte Claus Grewenig in der anschließenden Diskussion. Der Geschäftsführer des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) betonte, es handele sich nicht mehr um „Schulhofkriminalität", sondern um ein sehr ernsthaftes Problem für die Kreativwirtschaft. Die Provider könnten nicht die „Internet-Polizei" sein, entgegnete Carsten Nillies, Head of Corporate Responsibility beim Kommunikationsunternehmen Telefonica. Er hält die Verbesserung des Datenschutzes für dringlicher als den Kampf gegen die Piraterie. Im Hinblick auf beides ist jedoch nach Ansicht von Nillies die Information der Verbraucher wichtig: „Wir brauchen aufgeklärte Nutzer", lautete seine Forderung. Dafür müsste die Medienkompetenz gerade bei Jugendlichen noch gestärkt werden. Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit-Verlages, ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte die Etablierung eines Schulfachs, um Aufklärung zu gewährleisten. Parallelen in der politischen Behandlung von Piraterie und Datenschutz hat Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, entdeckt: Es gebe für beide Themen keine erkennbaren Handlungslinien der Regierung. Die politische Klasse sei mit der „Komplexität dieser neuen technologischen Welt" einfach überfordert, betonte Schaar. Warum habe Deutschland beispielsweise die EU-Richtlinie zur „E-Privacy" noch nicht wie andere Länder umgesetzt? Als „Bedrohung" empfindet der Datenschützer vor allem die detaillierten Nutzerprofile, die von Betreibern sozialer Netzwerke erstellt werden.

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