Infrastrukturgipfel 2012: Wer nutzt im magischen Dreieck welche Netze?

Datum: 24.10.2012

Übertragungsnetze, Inhalte und Endgeräte bilden für die Medienordnung ein magisches Dreieck: Ohne eine funktionierende Infrastruktur ginge in der modernen Medienwelt gar nichts. Obwohl sich Inhalte lange Zeit unabhängig von den Netzen etabliert hätten, habe die technische Entwicklung letztlich nicht zu dem viel zitierten Triple Play geführt. So lautete die Keynote These von Dr. Holger Enßlin beim Infrastruktur-Gipfel der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Der bei Sky Deutschland für den Bereich Regulatory & Distribution zuständige Vorstand betonte, es gebe aus seiner Sicht keine Begründung mehr dafür, den Markt regulatorisch in unterschiedliche Netze aufzuspalten. Enßlin skizzierte drei zentrale Thesen: 1. Die Netze könnten ein Triple Play von Internet, Telefonie und IP-TV nicht mehr aufrechterhalten. 2. Grundsätzlich sei gegen eigene Inhalte der Netzbetreiber nichts inzuwenden, wenn die Netzneutralität gewahrt bleibe. 3. Jede Bevorzugung von Inhalten sei ein Verstoß gegen die Netzneutralität. Eine privilegierte Regulierung von Inhalten eines Netzbetreibers brachte Enßlin daher auf die Formel „Regulierung nur gegen den medienrechtlichen Schutz der Inhalte". Wie gelingt es Netzbetreibern künftig als Plattformen mit dem Content Geld zu verdienen, und wie weit wird sich die Rolle des Datentransporteurs zum Dienstleister von Commodity (Standardprodukt) entwickeln? Diese beiden Fragen stellte Panel-Moderator Werner Lauff den Experten auf dem Podium. Ein faires und verbraucherfreundliches Modell der Netzneutralität, das den Medien ein gemeinsames Wachstum ermöglicht, wie es Enßlin in seiner Keynote vorgestellt hatte, hätte durchaus auf eine Win-Win-Diskussion hinauslaufen können. Aufgrund unterschiedlicher Interessen auf Seiten der der Rundfunkprogrammanbieter, der Netzbetreiber und der Regulierung aber entwickelte sich eher eine Art Verteilungsdiskussion. Bernd Kraus, Geschäftsführer von Media Broadcast, resümierte: „Egal welche Geschäftsmodelle wir anbieten - am Ende wird es der Nutzer bezahlen müssen!" Kraus verglich die Rolle der Netze mit den Autobahnen. „Sie sind frei befahrbar, und wenn es Stau gibt, kommt auch der Krankenwagen nicht durch". Man dürfe daher nicht alle Angebote gleich behandeln, müsse also einzelne Dienste priorisieren. Peter Kerckhoff, Bereichsleiter Content der Deutschen Telekom, verteidigte seine Position, Netzbetreiber müssten auch eigene Inhalte anbieten dürfen: „Es ist keineswegs so einfach, allein mit der Weiterleitung von Content Geld zu verdienen." Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, beschrieb die Rolle des Netzbetreibers weniger als die des Gatekeepers denn als die des Gate-Openers: „Es käme doch wohl niemand auf die Idee, die Post dürfte die Briefe selber schreiben, die sie transportiert!".

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