Publishing-Gipfel 2012: Die digitale Zukunft gestalten

Datum: 25.10.2012

Was die Visionen zur digitalen Zukunft in deutschen Verlagshäusern betrifft, zeichnete sich beim Publishing-Gipfel der MEDIENTAGE MÜNCHEN ein deutlicher Mentalitätswechsel ab. Waren frühere Diskussionen an gleicher Stelle noch von der Analyse neuer Geschäfts- und Bezahlmodelle gekennzeichnet, dominierte diesmal der Begriff des Qualitätsjournalismus das Spitzentreffen der deutschen Verlagsbranche. Das neue Bekenntnis zur Qualität gilt als Basis und Garant für den Fortbestand einer vielfältigen, rentablen Medienlandschaft. Eine wichtige Voraussetzung von publizistischer Qualität als Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Proposition, USP) ist die Nähe der Journalisten zum Gegenstand ihrer Berichterstattung und zu den Lesern. So wie er in der Region verwurzelt sei, so hänge der bayerische Leser an seiner Heimatzeitung, sagte Andreas Scherer. Der Geschäftsführer der Augsburger Allgemeinen und Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger erklärte, entsprechend stabil sei der Augsburger Verlag auch mit seinen Online-Angeboten aufgestellt. Die Politik könne Qualitätsjournalismus vor allem durch eine entsprechende Regulierung in den Bereichen Leistungsschutz- und Urheberrecht unterstützen, bekannte sich Thomas Kreuzer, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, zu einer medienpolitischen Verantwortung. Etwas globaler schilderte Rowan Barnett, Market Director Germany von Twitter, die Umbruchssituation in den Medien: Sein Impulsreferat stand im Zeichen einer in Bezug auf Produktion, Verbreitung und Konsum von Nachrichten völlig veränderten Kommunikation, die auf Schnelligkeit und die Öffnung bisher verschlossener und kontrollierter Debatten setze. Besonders der mobile Charakter dieser Kommunikation erhöhe die Relevanz von Informationsnetzwerken: „In spätestens zwei Jahren muss jeder Journalist auch Twitter- und Social-Network-Experte sein“, lautet Barnetts Prognose für das Berufsprofil der Zukunft. Der Umgang mit neuen digitalen Quellen und Medien müsse nach wie vor auf klassische journalistische Werte aufbauen, betonte Brigitte Fehrle. Die Chefredakteurin der Berliner Zeitung erklärte, da die Menschen heute „in verschränkten Rhythmen lebten“, etabliere ihr Haus derzeit eine „integrative, verschränkte Produktion“. Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg sei es, Journalismus als Kulturgut zu betrachten. Außerdem gehe es nicht nur um effektive Verbreitung, sondern auch um präzise Aufbereitung. Inhaltlich gesehen müsse der Medienbetrieb „gleichzeitig schneller und langsamer, aufregender und entschleunigter“ werden sowie insgesamt „extremer und präziser in der journalistischen Form“.

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