Diskussion: Web-TV und Internetportale - Wird klassisches TV obsolet?

Datum: 25.10.2012

Wie wird sich der Medienwandel auf den Fernsehmarkt auswirken? Diese Frage wurde unter den Teilnehmern eines gemeinsamen Panels der MEDIENTAGE MÜNCHEN und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien kontrovers diskutiert. In seiner Keynote erklärte Dirk Specht, Leiter Business Development Elektronische Medien bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Möglicherweise erleben TV-Sender das Gleiche wie Print- Medienmedien vor zehn Jahren". Der Medienwandel erreiche die Fernsehsender erst jetzt. Die Akzeptanz für lineare TV-Formate werden nachlassen, prognostizierte der Zeitungsmann. Sowohl bei den Reichweiten als auch auf dem Werbemarkt dürften sich die Vorteile digitaler Angebote gegenüber den herkömmlichen Fernsehangeboten auf Dauer durchsetzen. Auf die Frage, ob tatsächlich Gefahr bestehe, dass die klassischen TV-Sender von Google und Netflix abgehängt werden, widersprach Arnd Benninghoff, Chief Digital Officer von ProSiebenSat.1 Media. Benninghoff erklärte, er sehe vielmehr neue Chancen für seinen Sender, etwa durch Social-TV. Einbußen bei der TV-Nutzung oder auf dem Werbemarkt könne er nicht erkennen. „Klar geht das Nutzerverhalten in Richtung non-lineare Rezeption", sagte Mirjam Laux, Managing Director der Fox Channels, darauf richte man sich auch mit entsprechenden Web-Angeboten bei ihrem Unternehmen ein. Die drei Pay-TV-Kanäle von Fox in Deutschland hätten sich obendrein in den letzten zwei Jahren „sehr positiv entwickelt". Andreas Briese, Strategic Partnership Development Manager YouTube bei Google Deutschland, sieht sein Unternehmen nicht als Konkurrenz zum klassischen Fernsehen. Er glaube an die „Koexistenz von linearem TV und Online-Bewegtbild". Online-Video biete den Sendern „die große Chance, ein weltweites Publikum zu erreichen.". 800 Millionen Nutzer könne YouTube seinen derzeit eine Million Partnern weltweit bieten. „Es geht nicht um Kannibalisierung, sondern um Ergänzung", betonte der Vertreter von Google. Auf ein non-lineares Modell setzt Dr. Patrick Hörl, Geschäftsführer von Autentic. Er ist Partner des Videoportals „Germany's Gold", an dem vor allem öffentlich-rechtliche Sender beteiligt sind. Man wolle damit ein attraktives Angebot für alle Zielgruppen etablieren, erklärte Hörl. Allerdings sei der Start dieses Portals noch von der Entscheidung des Kartellamtes abhängig, berichtete Hörl. Bereits seit einigen Jahren auf dem deutschen Markt ist Amazons Video-Verleih Lovefilm. Dessen Director of Digital Dr. Christoph Schneider bezeichnete das Video-on-Demand-Modell als „Massenphänomen". Wesentliche Erfolgsfaktoren seien, neben der Präsenz auf möglichst vielen Plattformen und Empfangsgeräten, der Preis und die Qualität der angebotenen Inhalte. Doch diese Video-Plattformen trügen auch zu einem verschärften Wettbewerb bei, unterstrich FAZ-Mann Specht. Patrick Hörl erwiderte: „Ich glaube nicht, dass der Rückgang bei den TVSendern groß sein wird - es wird zu keinem Sendersterben kommen!". Bei ProSiebenSat.1 reagiere man auf den digitalen Wandel mit „systematischem Ausprobieren, wie das digitale Lagerfeuer funktioniert", sagte Arnd Benninghoff. Es gelte möglichst viele Beiboote zu schaffen. So betrachte man MyVideo „als unseren fünften TV-Sender". Das Angebot sei auch auf dem Werbemarkt erfolgreich. Während sich die Teilnehmer aus dem TV-Bereich weitgehend optimistisch zur Fernsehzukunft äußerten, konstatierte Keynote-Sprecher Specht eine „grausige ‚Monetarisierungsqualität' in den neuen Kanälen."

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