Diskussion: Der Journalismus in Zeiten des Netzes

Datum: 22.10.2014

Im Internetzeitalter haben sich nicht nur die Erzählformen verändert. Journalismus ist auch vom handwerklichen Können her anspruchsvoller geworden. Über die Herausforderungen für den digitalen Journalismus diskutierten im Rahmen der MEDIENTAGE MÜNCHEN Experten bei einer Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen angeboten wurde. Ein Journalist müsse heute auch in der Lage dazu sein, mit Lesern, Nutzern und Zuschauern ein Gespräch in Echtzeit führen zu können, sagte Robert Amlung, Head of Digital Strategy beim ZDF, in seiner Einführung. „Anders als früher müssen Sie heute bereits damit anfangen, eine Geschichte zu erzählen, auch wenn diese noch gar nicht ganz ausrecherchiert ist.“ Jo Schück, Moderator bei der der ZDF-Sendung „aspekte“ und Diskussionsleiter auf dem Podium, berichtete, er habe festgestellt, dass Print-Kollegen in klassischen Redaktionen und Onliner oft noch immer wenig miteinander zu tun hätten. An Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, richtete er die Frage: „Werden Geschichten online anders erzählt, oder muss man gar andere Geschichten erzählen?“ Gewiss sei beides nötig, befand Wegner diplomatisch. Leser schätzten jedoch sehr, wenn man andere Erzählformen ausprobiere, habe er erfahren. Über die Lust vor allem junger Leute, mit neuen journalistischen Formen zu experimentieren, berichtete Carolin Neumann Leiterin des Vocer Innovation Medialab: „Neue Erzählformen finde ich superspannend. Wir können zwar nicht vorhersagen, was wirklich funktioniert, aber wir müssen die Leute experimentieren lassen.“ Bei jungen Journalisten, die voller Ideen aus dem Studium kommen, gebe es ein enormes Frustpotential, weil sie in den realen Medien nur wenig davon umsetzen können, berichtete Neumann. Viele starteten daher eigene Projekte. Journalisten würden immer mehr auch kleinere Zielgruppen in der Nische ansprechen, sagte Christian Bollert, Geschäftsführer von BEBE Medien. Es gebe aber noch viele Nischen, die wenig oder nur sehr schlecht bedient würden. Kritisch betrachtete er dabei die Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender, da sie viel zu schwerfällig und träge seien, um auf die neuen Herausforderungen des Netzes reagieren zu können. „Ein Schnellboot ist in der Tat etwas anderes als ein Tanker“, griff Matthias Fornoff, Leiter der Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen des ZDF, das Bild auf. Man müsse aber immer auch schauen, was für wen Sinn mache. Die Zuschauer der heute-Sendung wollten sich durchaus in erster Linie von den News „berieseln“ ließen. Bei heute.de hin-gegen finde man die aktiveren Zuseher, die sich durch die Seiten durchklickten. Einigkeit herrschte auf dem Podium darüber, dass es gut sei, wenn Journalisten sehr gut mit Lesern und Nutzern kommunizieren können. Dies dürfe aber kein Dogma sein. Am Ende zählten hat immer noch die Inhalte, denn nur gute Qualität setze sich durch.

Tags

Diese Seite kommentieren

Diese Seite teilen

Copyright © 2017 medienportal.tv

Ein Projekt der Medientage München GmbH
powered by STV Media Networks.

Alle Rechte vorbehalten.