Contentgipfel 2010: Journalismus & Meinungsbildung in der digitalen Welt

Datum: 15.10.2010

„Wir befinden uns in einer Zeit, in der man als Journalist großartig gestalten kann", beschrieb Dominik Wichmann, Chefredakteur des SZ-Magazins, bei der Diskussion auf dem erstmals veranstalteten Contentgipfel der MEDIENTAGE MÜNCHEN den Paradigmenwechsel im Journalismus. Wie sich Journalismus und Mediennutzung in der digitalen Welt verändert haben, war die zentrale Frage, die Gipfel-Moderator Jochen Wegner mit Print-, Online- und Fernsehjournalisten diskutierte. Einig war sich die Podiumsrunde in der Frage, dass journalistische Qualität keine Frage der medialen Plattform, sondern eine Frage der Ressourcen ist. In der digitalen Welt komme es darauf an, die Chancen zum Experimentieren und Gestalten zu nutzen, statt nach wie vor das berufliche Rollenbild durch den Distributionsweg (Print, Radio, TV oder Online) bestimmen zu lassen. Zeit, Ort und Substrat verlören ihre Bedeutung, und das Netz ersetze im Grunde genommen Print, Radio und TV, lauteten zwei von 23 provokanten Thesen, mit denen Wegner die Diskussion eingeleitet hatte. Es entstünden völlig neue Medien wie das iPad mit völlig neuen Metaphern und neuen Formen der Monetarisierung von Inhalten. Deshalb müssten Journalisten zu Unternehmern werden, lautete seine Folgerung. Wegners Einschätzung wurde auf dem Podium nicht von allen geteilt. Exzellente Angebote würden immer einen Finanzierungsweg finden, war sich Wichmann sicher, denn „entscheidend ist die Substanz eines Satzes, und nicht, wo er steht" - und in welcher Situation er konsumiert werde, ergänzte die Publizistin Dr. Mercedes Bunz, die von Erfahrungen aus Großbritannien berichtete. Demnach ersetzen die digitalen Medien nicht die klassischen, sondern sie können deren Nutzung sogar stärken. Social Media hätte in England die Nutzungssituationen komplett verändert, sagte Bunz. So werde in der Facebook-Community über Zeitungsartikel diskutiert, und junge Menschen würden sich gemeinschaftlich vor dem Fernseher versammeln, um sich dann via Twitter oder Social Communities über populäre Sendungen auszutauschen. Bunz wies aber auch darauf hin, dass beispielsweise das Zeitunglesen eben nicht nur ein rationaler Prozess, sondern auch ein soziales Ritual sei.

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